Floating Holidays: flexible Feiertage erklaert

Blasko Sarcevic

Blasko Sarcevic

Veroeffentlicht

Was ein Floating Holiday ist, wie er sich von Urlaub und gesetzlichen Feiertagen unterscheidet, ob er bezahlt wird und mit welchen Regeln das Modell auch in DACH-Organisationen funktioniert.

Thema

Kalender mit einem frei waehlbaren Feiertag neben festen gesetzlichen Feiertagen

Thema: der frei waehlbare Feiertag.

Was ist ein Floating Holiday?

Ein Floating Holiday (frei waehlbarer Feiertag) ist ein bezahlter freier Tag, den Mitarbeitende flexibel fuer einen Anlass ihrer Wahl einsetzen koennen: haeufig fuer religioese oder kulturelle Feiertage, die nicht im offiziellen Firmenkalender stehen, fuer den eigenen Geburtstag oder als Bruecke zwischen Feiertagen. Anders als regulaerer Urlaub wird er meist zu Jahresbeginn pauschal gewaehrt statt angespart, verfaellt in der Regel am Jahresende ohne Uebertragung und wird beim Austritt ueblicherweise nicht abgegolten. Ueblich sind ein bis drei solcher Tage pro Jahr. Das Konzept stammt aus den USA, wo es fehlende gesetzliche Feiertagsansprueche kompensiert; in Deutschland und Oesterreich ergaenzt es die gesetzlichen Feiertage als freiwillige Zusatzleistung, etwa fuer Anlaesse wie das Zuckerfest, Jom Kippur oder den 24. Dezember, wo er kein Feiertag ist. Wichtig ist die getrennte Fuehrung vom Urlaubskonto, damit Anspruch, Verfall und Auswertung sauber bleiben.

Wie Floating Holidays funktionieren

Das Prinzip ist einfach: Das Unternehmen gewaehrt eine kleine Zahl bezahlter freier Tage (typisch sind ein bis drei pro Jahr), und die Mitarbeitenden entscheiden selbst, wofuer sie sie einsetzen. Beantragt und genehmigt wird wie bei normalem Urlaub, nur das Konto ist ein anderes.

Die haeufigsten Anlaesse: religioese und kulturelle Feiertage ausserhalb des Firmenkalenders, der eigene Geburtstag, Brueckentage oder persoenliche Jahrestage. Manche Unternehmen binden die Tage an definierte Anlaesse, andere lassen sie voellig frei.

Floating Holiday vs Urlaub: der Unterschied

Auf den ersten Blick wirkt ein Floating Holiday wie ein zusaetzlicher Urlaubstag. Die Unterschiede liegen in der Mechanik:

Floating Holiday und Urlaub im Vergleich
AspektFloating HolidayUrlaub
GewaehrungPauschal, meist zu JahresbeginnJahresanspruch, ggf. angespart
UebertragungUeblicherweise keineGesetzlich geregelt, teils bis 31. Maerz
Abgeltung beim AustrittUeblicherweise keineGesetzlicher Urlaub wird abgegolten
ZweckBestimmter Anlass nach WahlErholung, frei einsetzbar
Anzahl1-3 Tage pro Jahr20+ Tage pro Jahr

Floating Holiday vs gesetzlicher Feiertag

Ein gesetzlicher Feiertag gilt fuer alle am selben Tag und ist arbeitsrechtlich geschuetzt. Ein Floating Holiday ist das Gegenteil: individuell, frei terminierbar und eine freiwillige Firmenleistung.

Gerade in Organisationen mit mehreren Standorten ergaenzen sich beide: Der Feiertagskalender bildet die gesetzlichen Feiertage pro Standort ab, waehrend Floating Holidays individuelle Vielfalt abdecken, ohne den Kalender aufzublaehen.

Werden Floating Holidays bezahlt?

Ja, die Bezahlung ist Teil der Definition. Ein Floating Holiday ist ein bezahlter freier Tag; das unterscheidet ihn vom unbezahlten Sonderurlaub oder einem einfachen Tag ohne Gehalt.

Anders sieht es bei der Abgeltung aus: Nicht genutzte Floating Holidays werden beim Austritt ueblicherweise nicht ausgezahlt, anders als gesetzlicher Resturlaub. In den USA gibt es Ausnahmen: Kalifornien behandelt frei verwendbare Floating Holidays wie angesparten Urlaub, der abgegolten werden muss. TODO: verify aktuelle Rechtslage pro Bundesstaat.

Warum Unternehmen Floating Holidays einfuehren

Der Hauptgrund ist Inklusion: Ein fester Feiertagskalender bildet immer nur eine Mehrheitskultur ab. Floating Holidays geben allen Mitarbeitenden dieselbe Flexibilitaet, ihre wichtigen Tage zu begehen, ohne dass das Unternehmen jeden Anlass einzeln in den Kalender aufnehmen muss.

Dazu kommen praktische Effekte: weniger Ausnahme-Diskussionen, ein klarer Rahmen statt Einzelfallentscheidungen und ein Benefit, der wenig kostet, aber im Recruiting sichtbar ist.

Typische Regeln: Anzahl, Verfall, Stichtage

Damit der Benefit nicht zur Streitquelle wird, brauchen Floating Holidays dieselbe Praezision wie jede Urlaubsregel:

  • Anzahl: ein bis drei Tage pro Jahr, ggf. anteilig bei unterjaehrigem Eintritt.
  • Verfall: ueblicherweise am 31. Dezember ohne Uebertragung, klar kommunizieren.
  • Beantragung: wie Urlaub, mit Vorlauf und Genehmigung, nur auf eigenem Konto.
  • Anlassbindung: definieren, ob die Tage frei oder an Anlaesse gebunden sind.
  • Keine Abgeltung beim Austritt, sofern rechtlich zulaessig, explizit regeln.

Floating Holidays in Deutschland und Oesterreich

In DACH-Laendern sind gesetzliche Feiertage und Mindesturlaub bereits garantiert, Floating Holidays sind hier eine reine Zusatzleistung. Beliebte Einsatzfaelle: der 24. und 31. Dezember (keine gesetzlichen Feiertage), religioese Feste anderer Glaubensrichtungen oder der Geburtstag.

Rechtlich sind sie unkompliziert, solange sie zusaetzlich zum gesetzlichen Urlaub gewaehrt werden. Wichtig ist nur die saubere Trennung: Floating Holidays duerfen nicht mit dem gesetzlichen Mindesturlaub verrechnet werden, denn dessen Regeln fuer Uebertragung und Abgeltung sind zwingend.

Getrennt fuehren: das eigene Kontingent

Der haeufigste Verwaltungsfehler ist, Floating Holidays im Urlaubskonto mitzufuehren. Dann erben sie die Urlaubsregeln (Uebertragung, Abgeltung, Verfallsfristen), die fuer sie gerade nicht gelten sollen.

Sauber ist ein eigenes Kontingent mit eigenen Regeln: eigene Anzahl, eigener Verfall, eigene Auswertung. So sehen Mitarbeitende beide Salden getrennt, und HR kann die Nutzung pro Jahr auswerten, ohne Urlaubszahlen zu verfaelschen.

Getrennte Kontingente fuer Urlaub und Floating Holidays in einer Urlaubsverwaltung
Eigenes Kontingent, eigene Regeln, eigene Auswertung.

Lohnt sich das Modell fuer dein Unternehmen?

Floating Holidays lohnen sich fast immer dort, wo Teams kulturell divers sind oder ueber mehrere Standorte mit unterschiedlichen Feiertagskalendern verteilt arbeiten. Sie kosten wenig, loesen wiederkehrende Ausnahme-Diskussionen und senden ein sichtbares Inklusionssignal.

Weniger sinnvoll sind sie, wenn das Unternehmen ohnehin sehr grosszuegigen Urlaub gewaehrt und keine kulturelle Vielfalt im Feiertagsbedarf besteht. Dann ist ein zusaetzlicher regulaerer Urlaubstag oft die einfachere Loesung.

Redaktionelle Erklaerung eines US-gepraegten Benefits im DACH-Kontext. US-Abgeltungsregeln variieren pro Bundesstaat (TODO: verify vor Veroeffentlichung). In DACH gilt: Zusatzleistung neben dem zwingenden Mindesturlaub, konkrete Ausgestaltung ist Sache der Richtlinie.

Haeufige Fragen

Was ist ein Floating Holiday?
Ein bezahlter freier Tag, den Mitarbeitende flexibel fuer einen Anlass ihrer Wahl einsetzen: etwa religioese Feiertage ausserhalb des Firmenkalenders, den Geburtstag oder Brueckentage.
Wird ein Floating Holiday bezahlt?
Ja, die Bezahlung gehoert zur Definition. Nicht genutzte Tage werden beim Austritt aber ueblicherweise nicht abgegolten, anders als gesetzlicher Resturlaub.
Was ist der Unterschied zwischen Floating Holiday und Urlaub?
Floating Holidays werden pauschal gewaehrt statt angespart, verfallen meist am Jahresende ohne Uebertragung und werden nicht abgegolten. Urlaub folgt den gesetzlichen Regeln fuer Uebertragung und Abgeltung.
Wie viele Floating Holidays sind ueblich?
Ein bis drei Tage pro Jahr. Manche Unternehmen binden sie an definierte Anlaesse, andere lassen die Verwendung voellig frei.
Duerfen Floating Holidays mit dem Urlaub verrechnet werden?
Nein. Sie sind eine Zusatzleistung und muessen getrennt vom gesetzlichen Mindesturlaub gefuehrt werden, dessen Regeln fuer Uebertragung und Abgeltung zwingend sind.

Ueber den Autor

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Gruender, Time-Out Zone

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Blasko schreibt ueber Urlaubsverwaltung, Richtliniengestaltung und den Betrieb von Abwesenheitsprozessen im grossen Massstab.

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