Sonderurlaub bei Todesfall: Wie viele Tage stehen dir zu?

Blasko Sarcevic
Veroeffentlicht
Beim Tod naher Angehoeriger gibt es in der Regel ein bis zwei Tage bezahlte Freistellung. Wer als naher Angehoeriger zaehlt, was fuer die Beerdigung gilt und was du tun kannst, wenn der Vertrag § 616 BGB ausschliesst.
Thema

Thema: bezahlte Freistellung im Trauerfall.
Wie viel Sonderurlaub gibt es bei einem Todesfall?
Beim Tod eines nahen Angehoerigen sind ein bis zwei Tage bezahlter Sonderurlaub ueblich. Der Massstab aus dem oeffentlichen Dienst (§ 29 TVoeD): zwei Arbeitstage beim Tod von Ehe- oder Lebenspartner, eines Kindes oder eines Elternteils. In der Privatwirtschaft haengt der Anspruch vom Arbeits- oder Tarifvertrag ab; enthaelt der Vertrag keine Regelung, greift § 616 BGB, aus dem die Rechtsprechung fuer enge Angehoerige ebenfalls ein bis zwei Tage ableitet, typischerweise fuer den Todestag beziehungsweise die Beerdigung. Fuer entferntere Verwandte wie Grosseltern, Geschwister oder Schwiegereltern besteht meist kein Anspruch, sofern der Vertrag nichts vorsieht; hier bleibt regulaerer Urlaub oder unbezahlte Freistellung. Ist § 616 BGB vertraglich ausgeschlossen, entfaellt der bezahlte Sonderurlaub ganz. Viele Arbeitgeber gewaehren ihn im Trauerfall aber aus Kulanz.
Wer zaehlt als naher Angehoeriger?
Den engsten Kreis bilden Ehe- und eingetragene Lebenspartner, eigene Kinder und Eltern: Fuer sie sind zwei Tage der verbreitete Standard (so ausdruecklich § 29 Abs. 1 TVoeD). Fuer diesen Kreis leitet auch die Rechtsprechung aus § 616 BGB regelmaessig bezahlte Freistellung ab.
Geschwister, Grosseltern, Enkel, Schwiegereltern und Partner ohne Trauschein fallen ueblicherweise nicht darunter, es sei denn, der Arbeits- oder Tarifvertrag zieht den Kreis weiter. Ein Blick in die eigene Regelung lohnt immer, bevor man von einem festen Anspruch ausgeht.
| Verstorbene Person | Ueblicher Sonderurlaub |
|---|---|
| Ehe-/Lebenspartner | 2 Tage |
| Eigenes Kind | 2 Tage |
| Elternteil | 2 Tage |
| Geschwister | 0-1 Tag (nur bei vertraglicher Regelung) |
| Grosseltern, Enkel | 0-1 Tag (nur bei vertraglicher Regelung) |
| Schwiegereltern | 0-1 Tag (nur bei vertraglicher Regelung) |
| Unverheirateter Partner | Meist kein Anspruch ohne vertragliche Regelung |
Sonderurlaub fuer die Beerdigung
Der Sonderurlaub deckt typischerweise den Todestag und/oder den Tag der Beerdigung ab. Liegt die Bestattung weiter entfernt, laesst sich mit dem Arbeitgeber meist eine Kombination vereinbaren: Sonderurlaub fuer den Beerdigungstag plus Urlaubstage fuer An- und Abreise.
Wichtig fuer die Praxis: Der Anspruch ist anlassgebunden. Faellt die Beerdigung auf einen ohnehin freien Tag oder in einen bereits genehmigten Urlaub, entsteht in der Regel kein Nachhol- oder Zusatzanspruch.
Wenn der Vertrag § 616 BGB ausschliesst
§ 616 BGB ist abdingbar. Schliesst der Arbeits- oder Tarifvertrag ihn aus und enthaelt keinen eigenen Anlasskatalog, besteht kein Rechtsanspruch auf bezahlten Trauerurlaub, auch nicht beim Tod des Ehepartners. In diesem Fall bleiben regulaerer Urlaub, unbezahlte Freistellung oder eine Kulanzloesung.
Wer laenger als ein, zwei Tage Zeit braucht, etwa fuer Nachlass, Behoerdengaenge oder weil die Trauer eine Arbeitsunfaehigkeit ausloest, sollte offen mit dem Arbeitgeber sprechen. Eine aerztlich festgestellte Arbeitsunfaehigkeit ist keine Frage des Sonderurlaubs, sondern ein normaler Krankheitsfall mit Entgeltfortzahlung.
Muss ich den Todesfall nachweisen?
Der Arbeitgeber darf einen Nachweis verlangen: Ueblich sind Sterbeurkunde oder Traueranzeige. In der Praxis wird der Nachweis oft nachgereicht; entscheidend ist die unverzuegliche Information, dass und warum du ausfaellst.
Fuer Arbeitgeber gilt: Ein klar geregelter Anlasskatalog (wer, wie viele Tage, welcher Nachweis) und ein eigener Abwesenheitstyp im System ersparen im sensibelsten Moment Diskussionen. Trauerfaelle sind der Anlass, bei dem formlose Einzelfallentscheidungen am haeufigsten zu Ungleichbehandlung fuehren.
Rechtsgrundlagen: § 616 BGB; § 29 Abs. 1 TVoeD (2 Arbeitstage beim Tod von Ehegatten, Lebenspartnern, Kindern und Eltern); Entgeltfortzahlungsgesetz bei trauerbedingter Arbeitsunfaehigkeit. Dieser Artikel erklaert die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall; Tarifvertraege und Arbeitsvertraege koennen abweichen.
Haeufige Fragen
- Wie viele Tage Sonderurlaub gibt es beim Tod der Eltern?
- Ueblich sind zwei Arbeitstage (so § 29 TVoeD im oeffentlichen Dienst; die Rechtsprechung zu § 616 BGB liegt bei ein bis zwei Tagen). Massgeblich ist der eigene Arbeits- oder Tarifvertrag.
- Gibt es Sonderurlaub beim Tod der Grosseltern?
- In der Regel nicht: Grosseltern zaehlen ueblicherweise nicht zum engsten Angehoerigenkreis. Ein Anspruch besteht nur, wenn Arbeits- oder Tarifvertrag ihn ausdruecklich vorsehen; sonst bleibt regulaerer Urlaub.
- Bekomme ich fuer die Beerdigung extra frei?
- Der uebliche Sonderurlaub deckt Todestag und/oder Beerdigungstag ab. Zusaetzliche Tage fuer Anreise oder Organisation sind Verhandlungssache und laufen meist ueber regulaeren Urlaub.
- Was gilt, wenn § 616 BGB im Vertrag ausgeschlossen ist?
- Dann besteht kein Rechtsanspruch auf bezahlten Trauerurlaub. Moeglich bleiben regulaerer Urlaub, unbezahlte Freistellung oder Kulanz des Arbeitgebers; bei trauerbedingter Arbeitsunfaehigkeit greift die normale Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.
- Muss ich fuer Trauerurlaub einen Nachweis vorlegen?
- Auf Verlangen ja: Ueblich sind Sterbeurkunde oder Traueranzeige. Wichtig ist vor allem, den Arbeitgeber unverzueglich zu informieren.
Ueber den Autor

Blasko Sarcevic
Gruender, Time-Out Zone
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