Sonderurlaub bei Geburt: Freie Tage fuer frischgebackene Vaeter

Blasko Sarcevic

Blasko Sarcevic

Veroeffentlicht

Fuer den Tag der Geburt des eigenen Kindes ist ein bezahlter freier Tag ueblich, fuer Vaeter und zweite Elternteile. Die Rechtslage nach § 616 BGB und TVoeD, die Abgrenzung zu Mutterschutz und Elternzeit und der Stand der geplanten Familienstartzeit.

Thema

Kalenderblatt mit markiertem Geburtstag des Kindes und einem freien Tag

Thema: bezahlte Freistellung rund um die Geburt.

Bekomme ich als Vater Sonderurlaub bei der Geburt meines Kindes?

Ueblich ist ein bezahlter freier Tag fuer den Tag der Geburt. Im oeffentlichen Dienst ist er ausdruecklich geregelt: § 29 TVoeD gewaehrt einen Arbeitstag bei der Niederkunft der Ehefrau oder Lebenspartnerin. In der Privatwirtschaft haengt der Anspruch vom Arbeits- oder Tarifvertrag ab; fehlt eine Regelung, laesst sich der Tag aus § 616 BGB ableiten: Die Geburt des eigenen Kindes ist der klassische Fall einer unverschuldeten persoenlichen Verhinderung. Ist § 616 BGB vertraglich ausgeschlossen, besteht kein Anspruch auf den bezahlten Tag; dann bleiben Urlaub oder unbezahlte Freistellung. Die Mutter selbst ist zu diesem Zeitpunkt im Mutterschutz und braucht keinen Sonderurlaub. Wer mehr als einen Tag beim Kind sein will, nutzt Elternzeit: Sie kann ab der Geburt genommen werden und ist fuer bis zu drei Jahre gesetzlich garantiert. Eine bezahlte zweiwoechige Freistellung fuer Vaeter direkt nach der Geburt ("Familienstartzeit") ist politisch geplant, aber noch nicht in Kraft.

Der freie Tag zur Geburt: Rechtsgrundlagen

Im oeffentlichen Dienst gewaehrt § 29 Abs. 1 TVoeD einen Arbeitstag Arbeitsbefreiung bei der Niederkunft der Ehefrau oder der eingetragenen Lebenspartnerin. Viele Tarif- und Arbeitsvertraege der Privatwirtschaft uebernehmen diesen Wert; manche geben zwei Tage.

Ohne vertragliche Regelung greift § 616 BGB: Die Geburt des eigenen Kindes ist ein unvorhersehbares, unverschuldetes persoenliches Ereignis. Der bezahlte Tag fuer den Geburtstermin ist danach allgemein anerkannt. Achtung bei unverheirateten Paaren: Aeltere Regelungen knuepfen an "Ehefrau" an; moderne Vertraege und die Praxis stellen auf die Partnerin oder den Partner im gemeinsamen Haushalt ab. Im Zweifel den eigenen Wortlaut pruefen.

Geburtstermin am Wochenende oder im Urlaub

Sonderurlaub setzt voraus, dass an dem Tag sonst gearbeitet worden waere. Kommt das Kind am Samstag oder waehrend eines bereits genehmigten Urlaubs zur Welt, entsteht in der Regel kein Ersatzanspruch fuer einen anderen Tag.

Fuer Begleittermine gilt: Untersuchungen vor der Geburt sind grundsaetzlich Sache der Schwangeren (fuer sie gilt § 7 MuSchG); die werdende zweite Elternperson hat dafuer keinen eigenen Freistellungsanspruch und nutzt Gleitzeit oder Urlaub.

Abgrenzung: Mutterschutz, Elternzeit, Kinderkrankentage

Der Sonderurlaub zur Geburt betrifft nur den Geburtstag selbst und nur die nicht gebaerende Elternperson. Die Mutter ist in den Schutzfristen des MuSchG (regulaer sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt) mit Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss abgesichert; ihr Urlaubsanspruch laeuft dabei in voller Hoehe weiter.

Wer laenger zu Hause bleiben will, nimmt Elternzeit: Sie kann direkt ab der Geburt beginnen, muss sieben Wochen vorher angemeldet werden und steht beiden Elternteilen zu. Wird das Kind spaeter krank, greifen die Kinderkrankentage nach § 45 SGB V mit Kinderkrankengeld, ein eigener Anspruch unabhaengig vom Sonderurlaub.

Familienstartzeit: die geplante bezahlte Vaterschaftsfreistellung

Die EU-Vereinbarkeitsrichtlinie (2019/1158) sieht zehn Arbeitstage bezahlte Vaterschaftsfreistellung rund um die Geburt vor. Deutschland verweist bislang auf Elternzeit und Elterngeld; ein eigenes Gesetz zur sogenannten Familienstartzeit, zwei Wochen bezahlte Freistellung fuer Vaeter bzw. zweite Elternteile direkt nach der Geburt, ist seit laengerem angekuendigt, aber noch nicht in Kraft (Stand: Juli 2026; TODO: verify vor Publikation erneut pruefen).

Bis dahin gilt die beschriebene Rechtslage: ein Tag Sonderurlaub zur Geburt (je nach Vertragslage) plus optional Elternzeit ab dem ersten Lebenstag des Kindes.

Fuer Arbeitgeber: Geburt im Abwesenheitssystem abbilden

Rund um eine Geburt treffen mehrere Abwesenheitsarten aufeinander: Sonderurlaub (Geburtstag), Mutterschutz, Elternzeit mit optionaler Urlaubskuerzung und spaeter Kinderkrankentage. Jede hat eigene Regeln, Fristen und Auswirkungen auf das Urlaubskonto: genau die Faelle, in denen manuell gefuehrte Listen kippen.

In Time-Out Zone lassen sich diese Abwesenheiten als getrennte Typen mit eigenen Regeln fuehren; Mutterschutz und Elternzeit beruehren das Urlaubskonto korrekt (volle Entstehung bzw. dokumentierte Kuerzung), und der Sonderurlaubstag bleibt vom Erholungsurlaub getrennt.

Rechtsgrundlagen: § 616 BGB; § 29 Abs. 1 TVoeD (1 Arbeitstag bei Niederkunft der Ehefrau/Lebenspartnerin); MuSchG; BEEG (Elternzeit); § 45 SGB V (Kinderkrankengeld); EU-Richtlinie 2019/1158. Familienstartzeit: Gesetzgebungsstand TODO: verify vor Publikation. Dieser Artikel erklaert die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall; Tarifvertraege und Arbeitsvertraege koennen abweichen.

Haeufige Fragen

Wie viele Tage frei bekommt der Vater bei der Geburt?
Ueblich ist ein bezahlter Arbeitstag fuer den Tag der Geburt (§ 29 TVoeD im oeffentlichen Dienst; sonst § 616 BGB oder der Arbeitsvertrag). Mehr Zeit laesst sich ueber Elternzeit ab der Geburt nehmen.
Gilt der Sonderurlaub auch fuer unverheiratete Vaeter?
Je nach Wortlaut der Regelung. Aeltere Klauseln knuepfen an die Ehefrau an; moderne Vertraege und die uebliche Praxis stellen auf die Partnerin im gemeinsamen Haushalt ab. Im Zweifel die eigene Regelung pruefen.
Was ist, wenn das Kind am Wochenende geboren wird?
Dann entsteht regelmaessig kein Ersatzanspruch: Sonderurlaub setzt voraus, dass an dem Tag sonst gearbeitet worden waere.
Gibt es schon die zwei Wochen bezahlte Vaterschaftszeit?
Nein. Die Familienstartzeit ist angekuendigt, aber noch nicht in Kraft. Bis dahin gilt: ein Tag Sonderurlaub zur Geburt plus optional Elternzeit ab dem ersten Lebenstag.
Bekommt die Mutter Sonderurlaub zur Geburt?
Sie braucht ihn nicht: Fuer sie gelten die Mutterschutzfristen (regulaer sechs Wochen vor, acht Wochen nach der Geburt) mit Mutterschaftsgeld und vollem Urlaubsaufbau.

Ueber den Autor

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Gruender, Time-Out Zone

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Blasko schreibt ueber Urlaubsverwaltung, Richtliniengestaltung und den Betrieb von Abwesenheitsprozessen im grossen Massstab.

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