Krankenstand in Deutschland: die wichtigsten Statistiken

Blasko Sarcevic

Blasko Sarcevic

Veroeffentlicht

Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland, welche Diagnosen treiben ihn, was kostet er, und warum die Zahlen seit 2022 so stark gestiegen sind. Die zentralen Statistiken mit Quellenangabe, fuer HR-Berichte und Planung.

Thema

Diagramm des Krankenstands in Deutschland ueber die Jahre

Thema: Krankenstand in Zahlen.

Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland?

Beschaeftigte in Deutschland waren zuletzt im Schnitt rund 15 Arbeitstage pro Jahr krankgemeldet (Statistisches Bundesamt), vor der Pandemie lag der Wert bei etwa 11 Tagen. Der Krankenstand der gesetzlichen Kassen, also der Anteil der Versicherten, der an einem Tag arbeitsunfaehig gemeldet ist, bewegt sich seit 2022 um die 5 bis 5,5 Prozent und damit auf Rekordniveau. Drei Diagnosegruppen dominieren: Atemwegsinfekte (haeufigste Ursache, meist kurz), Muskel-Skelett-Erkrankungen (zweithaeufigste) und psychische Erkrankungen, letztere mit den laengsten Ausfallzeiten von im Schnitt ueber 30 Tagen je Fall und seit Jahren steigend. Ein Teil des Anstiegs seit 2022 ist ein Erfassungseffekt: Seit der elektronischen Arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung (eAU) landen Krankmeldungen lueckenlos in den Kassendaten, die frueher teils nicht gemeldet wurden. Volkswirtschaftlich schaetzt die BAuA den Produktionsausfall durch Arbeitsunfaehigkeit auf einen dreistelligen Milliardenbetrag pro Jahr.

Die Kernzahlen im Ueberblick

Je nach Quelle wird der Krankenstand unterschiedlich gemessen: Destatis fragt Beschaeftigte, die Kassen zaehlen gemeldete Arbeitsunfaehigkeitstage ihrer Versicherten. Die Groessenordnungen sind konsistent: hoch wie nie.

Krankenstand Deutschland: zentrale Kennzahlen und Quellen (gerundet)
KennzahlWert (gerundet)Quelle
Krankheitstage je Beschaeftigtem und Jahrrund 15 ArbeitstageStatistisches Bundesamt
Krankenstand (Anteil AU-gemeldeter Versicherter)rund 5 bis 5,5 %DAK / TK Gesundheitsreporte
AU-Tage je Erwerbsperson und Jahr (Kassendaten)rund 19 bis 20 TageTK Gesundheitsreport
Durchschnittliche Dauer je psychischem Krankheitsfallueber 30 TageDAK Psychreport
Produktionsausfall durch Arbeitsunfaehigkeitdreistelliger Milliardenbetrag / JahrBAuA

Was den Krankenstand treibt

Die Rangfolge der Diagnosen ist seit Jahren stabil, ihre Gewichte verschieben sich aber deutlich:

  • Atemwegserkrankungen: haeufigste Einzelursache, viele kurze Faelle. Praegt die Infektwellen im Winter.
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen: zweitgroesster Block, typisch fuer koerpernahe Berufe, mittlere Falldauern.
  • Psychische Erkrankungen: drittgroesster Block nach Tagen, aber mit Abstand die laengsten Faelle, und der am staerksten wachsende Bereich.
  • Branchenunterschiede sind gross: Pflege, Erziehung und Logistik liegen deutlich ueber dem Schnitt, wissensnahe Bueroberufe darunter.

Der eAU-Effekt: Warum die Kurve 2022 springt

Seit 2022/2023 uebermitteln Arztpraxen Krankschreibungen elektronisch direkt an die Kassen (eAU). Damit werden auch Krankmeldungen erfasst, die frueher nie bei der Kasse ankamen. Ein Teil des statistischen Rekordniveaus ist also bessere Erfassung, nicht nur mehr Krankheit.

Fuer HR heisst das: Vergleiche mit Vor-2022-Werten sind nur eingeschraenkt aussagekraeftig. Wer den eigenen Krankenstand bewertet, sollte gegen aktuelle Branchenwerte benchmarken, nicht gegen historische Zeitreihen.

Was Krankenstand kostet

Fuer Arbeitgeber beginnt der direkte Kostenblock mit der Entgeltfortzahlung: bis zu sechs Wochen volles Gehalt je Krankheitsfall (§ 3 EFZG), danach zahlt die Kasse Krankengeld. Dazu kommen Vertretung, Ueberstunden und Reibungsverluste.

Volkswirtschaftlich beziffert die BAuA den Produktionsausfall durch Arbeitsunfaehigkeit auf einen dreistelligen Milliardenbetrag pro Jahr; inklusive Ausfall an Bruttowertschoepfung liegt die Schaetzung noch deutlich hoeher.

Der Blick in die USA zum Vergleich

In den USA gibt es kein Bundesgesetz zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall; bezahlte Krankheitstage regeln einzelne Bundesstaaten und Arbeitgeber. Beschaeftigte mit Anspruch erhalten im Schnitt etwa 7 bis 8 bezahlte Krankheitstage pro Jahr (BLS). Gemeldete Fehlzeiten liegen entsprechend deutlich unter deutschen Werten, was auch an nicht gemeldeter Arbeit im Krankheitsfall liegt.

Fuer internationale Teams heisst das: Krankenstands-Benchmarks sind nicht ueber Laender hinweg vergleichbar, die Systeme erfassen unterschiedliche Dinge.

Fuer HR: den eigenen Krankenstand messbar machen

Die oeffentlichen Statistiken beantworten die Benchmark-Frage, die eigene Kurve liefert das Abwesenheitssystem: Krankheitstage je Team und Monat, Falldauern, Saisonalitaet. Wichtig ist die saubere Trennung nach Abwesenheitsart, sonst verwaessern Urlaub und Sonderurlaub die Kennzahl.

Time Out Zone weist Krankheitstage als eigene Urlaubsart aus und macht sie in Berichten und Diagrammen je Abteilung auswertbar, inklusive Trendvergleich zum Vorjahr.

Diagramm der Krankheitstage je Abteilung in einem HR-Bericht
Eigene Krankenstands-Kurve statt Bauchgefuehl.

Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), BAuA-Bericht 'Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit', DAK- und TK-Gesundheitsreporte, gesund.bund.de. Werte gerundet und je nach Datenquelle unterschiedlich abgegrenzt (Kassendaten vs. Befragung); vor Verwendung in Berichten die Originalquelle pruefen.

Haeufige Fragen

Wie viele Krankheitstage sind normal pro Jahr?
Der Durchschnitt liegt aktuell bei rund 15 Arbeitstagen je Beschaeftigtem und Jahr (Destatis), mit grossen Unterschieden nach Branche, Alter und Beruf. Vor der Pandemie waren es etwa 11 Tage.
Was ist der Unterschied zwischen Krankenstand und AU-Tagen?
Der Krankenstand ist eine Quote: der Anteil der Versicherten, der an einem Stichtag arbeitsunfaehig gemeldet ist (rund 5 bis 5,5 %). AU-Tage zaehlen die Summe der gemeldeten Arbeitsunfaehigkeitstage pro Kopf und Jahr.
Warum ist der Krankenstand seit 2022 so hoch?
Drei Faktoren wirken zusammen: starke Infektwellen, der langfristige Anstieg psychischer Erkrankungen und der eAU-Erfassungseffekt: Elektronische Krankmeldungen erfassen seit 2022 lueckenlos, was frueher teils nicht gemeldet wurde.
Welche Diagnose verursacht die laengsten Ausfaelle?
Psychische Erkrankungen: im Schnitt ueber 30 Tage je Fall (DAK), deutlich laenger als Atemwegsinfekte oder Muskel-Skelett-Faelle.

Ueber den Autor

Blasko Sarcevic

Blasko Sarcevic

Gruender, Time-Out Zone

Auf LinkedIn vernetzen

Blasko schreibt ueber Urlaubsverwaltung, Richtliniengestaltung und den Betrieb von Abwesenheitsprozessen im grossen Massstab.

Weiterfuehrend

Krankheitstage sauber erfassen und auswerten

Time Out Zone trennt Krankheit von Urlaub, zeigt Trends je Abteilung und liefert die Berichte fuer HR und Geschaeftsfuehrung.