Urlaubsanspruch: Wie viel Urlaub steht dir gesetzlich zu?

Blasko Sarcevic

Blasko Sarcevic

Veroeffentlicht

Der gesetzliche Mindesturlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz, die Formel fuer jede Wochenarbeitszeit und die Sonderregeln fuer Teilzeit, Minijob und das erste Beschaeftigungsjahr, mit Rechenbeispielen.

Thema

Kalenderuebersicht mit markierten gesetzlichen Urlaubstagen fuer eine 5-Tage-Woche

Thema: gesetzlicher Urlaubsanspruch nach dem BUrlG.

Wie hoch ist der gesetzliche Urlaubsanspruch?

Der gesetzliche Mindesturlaub betraegt 24 Werktage pro Jahr (§ 3 BUrlG). Werktage sind alle Tage von Montag bis Samstag. Bei einer ueblichen 5-Tage-Woche entspricht das 20 Arbeitstagen Mindesturlaub. Die Umrechnung folgt einer einfachen Formel: 24 geteilt durch 6, multipliziert mit den tatsaechlichen Arbeitstagen pro Woche. Wer vier Tage pro Woche arbeitet, hat also mindestens 16 Urlaubstage, bei drei Tagen sind es 12. Entscheidend ist die Zahl der Arbeitstage, nicht die Stundenzahl. Teilzeitkraefte und Minijobber haben denselben anteiligen Anspruch. Der volle Jahresanspruch entsteht erstmals nach sechs Monaten Betriebszugehoerigkeit (Wartezeit, § 4 BUrlG); davor waechst der Anspruch mit einem Zwoelftel des Jahresurlaubs pro vollem Monat. Viele Arbeits- und Tarifvertraege gewaehren mehr als das Minimum: Ueblich sind in Deutschland 27 bis 30 Urlaubstage.

Was das Bundesurlaubsgesetz garantiert

Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) legt die Untergrenze fest: Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub (§ 1 BUrlG), mindestens 24 Werktage (§ 3 BUrlG). Das gilt fuer Vollzeit, Teilzeit, Minijob und in angepasster Form auch fuer Auszubildende.

Wichtig ist der Unterschied zwischen Werktag und Arbeitstag: Das Gesetz rechnet mit Werktagen, also allen Kalendertagen ausser Sonn- und gesetzlichen Feiertagen: Montag bis Samstag. Die 24 Werktage beziehen sich deshalb auf eine 6-Tage-Woche. Wer weniger Tage pro Woche arbeitet, rechnet den Anspruch anteilig um; das Erholungsniveau bleibt gleich: in beiden Faellen sind es vier volle Urlaubswochen.

Urlaubsanspruch berechnen: die Formel

Die Umrechnung auf deine Arbeitswoche ist eine Dreisatzrechnung: gesetzlicher Mindesturlaub geteilt durch 6 Werktage, multipliziert mit deinen Arbeitstagen pro Woche. Dieselbe Formel gilt fuer vertraglichen Mehrurlaub: Dann rechnest du statt mit 24 mit der vertraglich vereinbarten Tageszahl und der Wochenbasis, auf die sie sich bezieht (meist die 5-Tage-Woche).

Unregelmaessige Arbeitszeiten (z. B. Schichtmodelle) rechnet man ueber einen laengeren Referenzzeitraum: durchschnittliche Arbeitstage pro Woche ermitteln und in dieselbe Formel einsetzen.

Gesetzlicher Mindesturlaub nach Arbeitstagen pro Woche (Formel: 24 / 6 x Arbeitstage)
Arbeitstage pro WocheGesetzlicher Mindesturlaub
6 Tage24 Werktage
5 Tage20 Arbeitstage
4 Tage16 Arbeitstage
3 Tage12 Arbeitstage
2 Tage8 Arbeitstage
1 Tag4 Arbeitstage

Wartezeit und Teilanspruch im ersten Jahr

Der volle Jahresanspruch entsteht erstmals nach sechs Monaten Betriebszugehoerigkeit, der sogenannten Wartezeit (§ 4 BUrlG). Sie laeuft ab dem ersten Arbeitstag und ist nicht mit einer vertraglichen Probezeit zu verwechseln, auch wenn beide oft sechs Monate dauern.

Vor Ablauf der Wartezeit besteht ein Teilanspruch: ein Zwoelftel des Jahresurlaubs fuer jeden vollen Beschaeftigungsmonat (§ 5 BUrlG). Wer zum Beispiel am 1. Maerz startet und 24 Urlaubstage im Jahr hat, verfuegt Ende Mai ueber 6 Tage. Urlaub nehmen ist also auch im ersten halben Jahr moeglich, nur eben anteilig.

Urlaubsanspruch bei Teilzeit

Fuer Teilzeitkraefte zaehlt allein die Zahl der Arbeitstage pro Woche, nicht die Stundenzahl. Wer an fuenf Tagen je vier Stunden arbeitet, hat denselben Urlaubsanspruch wie eine Vollzeitkraft mit 5-Tage-Woche, naemlich mindestens 20 Tage. Wer dagegen die gleiche Stundenzahl auf drei Tage verteilt, kommt auf 12 Tage, macht damit aber genauso viele Wochen frei.

Bei einem Wechsel von Vollzeit in Teilzeit (oder umgekehrt) darf der bereits erworbene Urlaub nicht gekuerzt werden; umgerechnet wird nur der Anspruch fuer die Zeit nach dem Wechsel. Das folgt aus der Rechtsprechung des Europaeischen Gerichtshofs zur Gleichbehandlung von Teilzeitkraeften.

Urlaubsanspruch im Minijob

Minijobber sind Teilzeitbeschaeftigte im Sinne des Gesetzes und haben den vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch, anteilig nach ihren Arbeitstagen, mit derselben Formel. Ein Minijob an zwei festen Tagen pro Woche ergibt mindestens 8 Urlaubstage im Jahr; waehrend des Urlaubs laeuft die Verguetung normal weiter.

In der Praxis wird das oft uebersehen, weil Minijobs haeufig ohne schriftliche Urlaubsregelung laufen. Der Anspruch besteht trotzdem. Er kann weder durch den Arbeitsvertrag ausgeschlossen noch pauschal mit dem Stundenlohn abgegolten werden.

4-Tage-Woche und andere Arbeitszeitmodelle

Bei einer 4-Tage-Woche betraegt der gesetzliche Mindesturlaub 16 Arbeitstage (24 / 6 x 4). Vertraglicher Mehrurlaub wird genauso umgerechnet: Aus 30 Tagen auf Basis einer 5-Tage-Woche werden bei vier Arbeitstagen 24 Tage. Die freie Zeit bleibt mit sechs Wochen identisch.

Fuer Wechselmodelle (etwa eine Woche mit fuenf, eine mit vier Tagen) nimmst du den Durchschnitt: 4,5 Arbeitstage pro Woche ergeben 18 gesetzliche Urlaubstage. Je unregelmaessiger das Modell, desto wichtiger ist eine saubere, nachvollziehbare Berechnung im System statt einer Schaetzung.

Mehrurlaub: Was Vertrag und Tarif zusaetzlich geben

Das Gesetz ist nur die Untergrenze. Arbeitsvertraege und Tarifvertraege gewaehren in Deutschland meist deutlich mehr: Ueblich sind 27 bis 30 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche. Fuer den vertraglichen Mehrurlaub duerfen eigene Regeln vereinbart werden, etwa ein frueherer Verfall; fuer den gesetzlichen Kern gelten die Schutzvorschriften des BUrlG zwingend.

Zwei Gruppen haben von Gesetzes wegen mehr: Schwerbehinderte Menschen erhalten fuenf zusaetzliche Arbeitstage Urlaub pro Jahr (§ 208 SGB IX), und fuer Jugendliche unter 18 gelten je nach Alter 25 bis 30 Werktage nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz.

Uebertragung und Verfall: bis wann Urlaub genommen werden muss

Urlaub ist an das Kalenderjahr gebunden und verfaellt grundsaetzlich am 31. Dezember; bei dringenden betrieblichen oder persoenlichen Gruenden ist eine Uebertragung bis zum 31. Maerz des Folgejahres moeglich (§ 7 Abs. 3 BUrlG).

Nach der Rechtsprechung von EuGH und Bundesarbeitsgericht verfaellt Urlaub aber nur, wenn der Arbeitgeber rechtzeitig und konkret auf den drohenden Verfall hingewiesen und die Urlaubsnahme ermoeglicht hat. Ohne diesen Hinweis bleibt der Anspruch bestehen, fuer Unternehmen der wichtigste Grund, Verfallsfristen und Erinnerungen systematisch zu verwalten.

Sonderfaelle: Kuendigung, Elternzeit, Krankheit

Drei Situationen haben eigene Regeln: Bei einer Kuendigung entscheidet der Austrittszeitpunkt darueber, ob der volle oder ein anteiliger Jahresanspruch besteht, und nicht genommener Resturlaub wird ausgezahlt. In der Elternzeit darf der Arbeitgeber den Urlaub fuer volle Kalendermonate kuerzen, aber nur, wenn er die Kuerzung ausdruecklich erklaert. Und wer im Urlaub erkrankt, bekommt attestierte Krankheitstage wieder gutgeschrieben (§ 9 BUrlG).

Die Details zu Kuendigung und Elternzeit findest du in den verlinkten eigenen Artikeln dieser Serie.

Rechtsgrundlagen: §§ 1, 3, 4, 5, 7 BUrlG; § 208 SGB IX; JArbSchG; EuGH- und BAG-Rechtsprechung zur Mitwirkungsobliegenheit beim Urlaubsverfall. Dieser Artikel erklaert die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall; Tarifvertraege und Arbeitsvertraege koennen abweichen.

Haeufige Fragen

Wie viele Urlaubstage stehen mir gesetzlich zu?
Mindestens 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche (§ 3 BUrlG). Bei einer 5-Tage-Woche entspricht das 20 Arbeitstagen; die Formel lautet 24 / 6 x Arbeitstage pro Woche.
Wie hoch ist der Urlaubsanspruch bei Teilzeit?
Anteilig nach Arbeitstagen, nicht nach Stunden: 24 / 6 x Arbeitstage pro Woche. Fuenf kurze Tage pro Woche ergeben denselben Anspruch wie Vollzeit (20 Tage), drei Tage pro Woche ergeben 12 Tage.
Haben Minijobber Urlaubsanspruch?
Ja, den vollen gesetzlichen Anspruch anteilig nach Arbeitstagen: bei zwei Arbeitstagen pro Woche mindestens 8 bezahlte Urlaubstage im Jahr. Der Anspruch kann nicht vertraglich ausgeschlossen werden.
Wie viel Urlaub bekomme ich bei einer 4-Tage-Woche?
Gesetzlich mindestens 16 Arbeitstage (24 / 6 x 4). Vertraglicher Mehrurlaub wird genauso umgerechnet: 30 Tage auf 5-Tage-Basis entsprechen 24 Tagen bei vier Arbeitstagen, jeweils sechs freie Wochen.
Ab wann habe ich vollen Urlaubsanspruch?
Erstmals nach sechs Monaten Betriebszugehoerigkeit (Wartezeit, § 4 BUrlG). Davor waechst der Anspruch um ein Zwoelftel des Jahresurlaubs pro vollem Beschaeftigungsmonat.

Ueber den Autor

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Gruender, Time-Out Zone

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Blasko schreibt ueber Urlaubsverwaltung, Richtliniengestaltung und den Betrieb von Abwesenheitsprozessen im grossen Massstab.

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