Urlaubsanspruch bei Teilzeit berechnen

Blasko Sarcevic
Veroeffentlicht
Ob 4-Tage-Woche, 3-Tage-Woche oder 20 Stunden verteilt auf fuenf Tage: Der Urlaubsanspruch haengt allein an den Arbeitstagen pro Woche. Hier die Umrechnung und die Regel, die beim Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit oft falsch angewendet wird.
Thema

Thema: Teilzeit-Urlaub, umgerechnet auf Arbeitstage.
Grundlage ist § 3 BUrlG mit 24 Werktagen auf der Sechs-Tage-Woche, also 16 Tage bei 4 Arbeitstagen.
Schaetzung nach dem gesetzlichen Mindeststandard (BUrlG, SGB IX, JArbSchG), keine Rechtsberatung. Arbeits- und Tarifvertraege koennen abweichen.
Wie berechnet man den Urlaubsanspruch bei Teilzeit?
Jahresurlaub bei Vollzeit geteilt durch die Vollzeit-Arbeitstage, mal die eigenen Arbeitstage pro Woche. Bei 30 Urlaubstagen und einer Fuenf-Tage-Vollzeitwoche bedeutet das 6 Urlaubstage je Arbeitstag: eine 4-Tage-Woche ergibt 24 Tage, eine 3-Tage-Woche 18 Tage. Fuer den gesetzlichen Mindesturlaub gilt dieselbe Mechanik mit den 24 Werktagen aus § 3 Abs. 1 BUrlG, also 4 Urlaubstage je Arbeitstag und damit 16 Tage bei vier und 12 Tage bei drei Arbeitstagen. Der entscheidende und am haeufigsten verwechselte Punkt: Es zaehlen die Tage, nicht die Stunden. Wer 20 Stunden auf fuenf Tage verteilt, hat den vollen Urlaubsanspruch einer Fuenf-Tage-Woche, also 20 gesetzliche Tage; wer dieselben 20 Stunden auf zweieinhalb Tage legt, hat 10. Die Arbeitszeit bleibt gleich, der Urlaubsanspruch halbiert sich. Ein Ergebnis mit Bruchteilen darf nicht abgerundet werden.
Tabelle: 4-Tage-Woche, 3-Tage-Woche und die anderen
Links der gesetzliche Mindesturlaub nach § 3 BUrlG, rechts das Ergebnis bei einem Vertrag mit 30 Urlaubstagen fuer die Vollzeit-Fuenf-Tage-Woche.
| Arbeitstage pro Woche | Gesetzlicher Mindesturlaub | Bei 30 Tagen Vollzeit-Urlaub |
|---|---|---|
| 6 Tage | 24 Tage | 36 Tage |
| 5 Tage | 20 Tage | 30 Tage |
| 4 Tage | 16 Tage | 24 Tage |
| 3 Tage | 12 Tage | 18 Tage |
| 2 Tage | 8 Tage | 12 Tage |
| 1 Tag | 4 Tage | 6 Tage |
Die 20-Stunden-Woche: dieselbe Zeit, zwei Ergebnisse
Eine 20-Stunden-Woche sagt ueber den Urlaubsanspruch noch gar nichts aus, weil die Verteilung fehlt. Genau hier entsteht der haeufigste Rechenfehler, und er geht meist zulasten der Beschaeftigten.
Verteilt auf fuenf Tage mit je vier Stunden ergeben 20 Stunden den vollen Anspruch einer Fuenf-Tage-Woche: 20 gesetzliche Urlaubstage oder 30 bei einem entsprechenden Vertrag. Verteilt auf zweieinhalb Tage mit je acht Stunden sind es 10 gesetzliche Tage. Das ist kein Widerspruch: Im ersten Fall kostet ein Urlaubstag nur vier Stunden Freizeit, im zweiten acht. Gemessen in Stunden ist das Ergebnis identisch, gemessen in Tagen nicht.
| Verteilung von 20 Stunden | Arbeitstage | Mindesturlaub |
|---|---|---|
| 5 x 4 Stunden | 5 Tage | 20 Tage |
| 4 x 5 Stunden | 4 Tage | 16 Tage |
| 3 x 6,67 Stunden | 3 Tage | 12 Tage |
| 2,5 x 8 Stunden | 2,5 Tage | 10 Tage |
Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit mitten im Jahr
Hier gilt eine Regel, die viele Arbeitgeber falsch anwenden: Urlaub, der bereits in der Vollzeitphase entstanden ist, darf bei der Umstellung auf Teilzeit nicht nachtraeglich gekuerzt werden. Der Europaeische Gerichtshof hat das entschieden, und das Bundesarbeitsgericht wendet es an. Wer also zum 1. Juli von fuenf auf drei Tage wechselt, behaelt die in der ersten Jahreshaelfte erworbenen Tage im alten Umfang.
Praktisch rechnet man das Jahr in zwei Abschnitten: fuer jeden Abschnitt der dort gueltige Anspruch, anteilig nach Monaten, und die Summe ist der Jahresanspruch. Umgekehrt, beim Wechsel von Teilzeit auf Vollzeit, gilt dasselbe in die andere Richtung: Der Anspruch der Teilzeitphase wird nicht nachtraeglich erhoeht.
Wenn die Arbeitstage schwanken
Bei wechselnden Dienstplaenen gibt es keine feste Zahl von Arbeitstagen, auf die man umrechnen koennte. Dann bildet man den Durchschnitt ueber einen repraesentativen Zeitraum, ueblicherweise die letzten drei Monate oder das Vorjahr, und verwendet diesen Mittelwert als Arbeitstage pro Woche.
Das Ergebnis hat dann fast immer Bruchteile. Abrunden ist unzulaessig; die halbe oder viertel Tage bleiben bestehen, auch wenn viele Arbeitgeber sie freiwillig auf einen ganzen Tag aufrunden. Die Aufrundungsregel aus § 5 Abs. 2 BUrlG gilt uebrigens nur fuer den Teilurlaub beim Ausscheiden, nicht fuer diese Umrechnung.
Rechtsgrundlagen: § 3 Abs. 1 BUrlG (24 Werktage), § 4 Abs. 1 TzBfG (Diskriminierungsverbot bei Teilzeit), § 5 Abs. 2 BUrlG (Aufrundung beim Teilurlaub); zur Kuerzung beim Wechsel die Rechtsprechung des EuGH und des BAG zum anteiligen Urlaub. Schaetzung nach dem gesetzlichen Mindeststandard, keine Rechtsberatung. Arbeits- und Tarifvertraege koennen mehr gewaehren.
Haeufige Fragen
- Wie viele Urlaubstage bei einer 4-Tage-Woche?
- Gesetzlich mindestens 16 Tage. Sieht der Vertrag 30 Tage fuer eine Vollzeit-Fuenf-Tage-Woche vor, sind es 24 Tage. Die Rechnung ist immer Vollzeit-Urlaub geteilt durch Vollzeit-Tage mal eigene Tage.
- Wie viele Urlaubstage bei einer 3-Tage-Woche?
- Gesetzlich mindestens 12 Tage, bei einem Vertrag mit 30 Tagen fuer Vollzeit sind es 18 Tage.
- Wie viel Urlaub bei einer 20-Stunden-Woche?
- Das haengt von der Verteilung ab, nicht von den Stunden. Auf fuenf Tage verteilt sind es mindestens 20 Urlaubstage, auf zweieinhalb Tage verteilt nur 10. Deshalb ist die Zahl der Arbeitstage im Vertrag die wichtigere Angabe.
- Darf der Urlaub bei einem Wechsel in Teilzeit gekuerzt werden?
- Nein, nicht rueckwirkend. Urlaub, der in der Vollzeitphase entstanden ist, bleibt in diesem Umfang bestehen. Das Jahr wird in zwei Abschnitte geteilt und jeder Abschnitt mit dem dort gueltigen Modell gerechnet.
- Werden Bruchteile von Urlaubstagen aufgerundet?
- Eine gesetzliche Aufrundungspflicht gibt es fuer die Teilzeit-Umrechnung nicht. Abrunden ist aber unzulaessig, der Bruchteil bleibt also bestehen. Viele Arbeitgeber runden freiwillig auf einen ganzen Tag auf.
Ueber den Autor

Blasko Sarcevic
Gruender, Time-Out Zone
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